Montag, 4. März 2013

Eine Beichte

Mein erstes Geständnis: Als ich noch nicht Mutter war, verurteilte ich regelmässig Mütter für Verhalten, das meiner Meinung nach nicht tolerierbar war. Nicht nur habe ich sie verurteilt, ich habe in meinem Kopf sogar eine Liste von Dingen angelegt, die ich, wenn ich mal Mutter bin, NIEMALS machen werde. Hier die Liste (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  1. Das Kind an der Öffentlichkeit so ungeschickt zu stillen, dass die eigene Brust dabei mehrmals zur Hauptattraktion des Restaurants / des Spielplatzes / der Parkbank / des Parks wird.
  2. Mit dem Handy telefonieren oder eine SMS schreiben, währenddem man den Kinderwagen stösst. Das ist asozial und führt langfristig zu einem Aufmerksamkeitsdefizit beim Kind. 
  3. Mit anderen Müttern in ein Kaffee sitzen, mit Kind & Kinderwagen die Hälfte des Raumes beanspruchen, teilweise noch lauter tratschen als die Kinder schreien und manchmal sogar vergessen, dass die Kinder auch noch da sind, während sie gerade mit anderen Gästen, der Wand, dem Boden, dem Personal oder der Küche Bekanntschaft machen.
  4. Dem Kind sein Weggli bereits an der Migros-Kasse in die Hand geben, weil es danach schreit. 
  5. Es dann, weil man eben bezahlen und einpacken muss, aus den Augen verlieren,während dieses sein Weggli erst mit viel Sabber aufweicht, dann seine klebrigen kleinen Kinderhände darin badet und darauf die ganze Kasse und alle Personen, die nicht genügend Abstand halten, damit einkleistert.
  6. Danach merken, was geschehen ist, das Kind zu sich ziehen und sein Gesichtchen von den Weggli-Spuren befreien, indem man mit den eigenen Fingern alles abwischt und mangels Alternative den Weggli-Brei in den eigenen Mund befördert.
  7. Mit Kinderwagen und Einkauf während den Stosszeiten mit dem Bus / dem Zug nach Hause fahren und unglaublich genervt sein, dass weder der Kinderwagen noch die Einkaufstasche genügend Platz haben.
  8. Mit dem Kind auf dem Schoss Fernsehen / am Computer sitzen / Zeitung lesen. Siehe Punkt zwei (Aufmerksamkeitsdefizit).
Mein zweites Geständnis: Die meisten dieser guten Vorsätze habe ich inzwischen gebrochen. Und falls nicht, bin ich sicher, dass ich sie bald brechen werde. Ich kann nichts dafür, dass mir die Kleine am T-Shirt zieht, währenddem ich sie an der Öffentlichkeit stille. Zudem bin ich für jede Sekunde dankbar, in der meine Kleine im Kinderwagen seelig schläft, weil ich dann in Ruhe telefonieren oder SMS schreiben kann. Wann soll ich es sonst tun? Und ich will gar nicht wissen, wie viel Bananenbrei ich schon von meinen Fingern leckte, weil er nicht im Mund meines Kindes landete. Dabei mag ich Banane nicht mal. Zudem bin ich inzwischen ein grosser Fan und Verfechter der heiteren Mütterrunde in einem schönen Kaffee. Wenn man dabei sogar für ein paar Sekunden sein Kind vergisst - na dann DANK GOTT. Und wenn man dabei auch noch die Zeit vergisst und deshalb blöderweise genau zu Stosszeiten mit dem ÖV nach Hause muss, dann ist das eben blöd gelaufen. Was soll ich sagen.


1 Kommentar:

  1. Wie wahr, wie wahr :-)
    Habe diese Regeln such schon alle gebrochen.

    LG
    Katrin

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