Mittwoch, 13. März 2013

Wie meine Tochter lernte, selbst einzuschlafen


Amelie konnte eigentlich von Geburt an selbst einschlafen. Ich musste sie nicht stundenlang tragen oder auf meinem Bauch einschlafen lassen. Zudem schlief sie ab der 8. Woche durch, also etwa 6 Stunden am Stück. So war das zumindest, bis wir über Neujahr in die Berge gingen. Amelie war damals gerade drei Monate alt und die Höhe machte ihr sehr zu schaffen. Sie schrie drei Tage lang sehr viel und schlief kaum. Damals begann ich damit, sie in meinen Armen zu tragen, bis sie eingeschlafen war. Und bevor ich mich versah, tat ich das auch, als wir wieder zu Hause waren. Sie schien es zu geniessen - und ich ja eigentlich auch. Es war schön, vor dem Schlafengehen noch einmal so viel Zeit mit ihr zu verbringen und Zärtlichkeiten auszutauschen. Also machte ich es weiterhin.

Doch irgendwann führte das dazu, dass sie auch in der Nacht, wenn sie aufwachte, nicht mehr alleine einschlafen konnte. Es war ein schleichender Prozess. Aber schlussendlich fand ich mich um drei Uhr Nachts in ihrem Zimmer wieder, hin- und her gehend, in der Hoffnung, sie würde endlich wieder zur Ruhe kommen, damit ich vor dem Morgen auch noch etwas Schlaf bekomme. Zudem bemerkte ich, dass sie morgens nicht ausgeruht war. Sie konnte sich nachts nicht mehr erholen, wachte bereits müde und schlecht gelaunt auf, nur um nach einer Stunde bereits das erste Nickerchen zu machen.

Irgendwann dachte ich, so kann das nicht weitergehen. Ich wusste, dass Amelie alleine einschlafen kann und wollte es ihr wieder beibringen. Zudem erinnerte ich mich an einen Blogeintrag von Joanna von A Cup Of Jo. Sie hatte ein ähnliches Problem mit ihrem Sohn und hatte es geschafft, dass er alleine einschlief. Ich hatte von der Methode bereits in Büchern gelesen, doch ihr Erfahrungsbericht zeigte mir, dass es tatsächlich umsetzbar ist, auch wenn es anfangs etwas brutal klingt: Man soll das Kind, nachdem man die üblichen Gute-Nacht-Rituale (ganz wichtig!) durchgeführt hat, in sein Bettchen legen und nach einem letzten Gute-Nacht-Kuss aus dem Zimmer gehen und nicht mehr zurück kommen, auch wenn das Kind schreit. Ich weiss, diese Methode ist nicht jedermanns Sache und auch ich hatte meine Tochter bisher noch nie schreien lassen. In der Annahme, dass ihr etwas fehlt, wenn sie schreit, versuchte ich immer, ihr zu helfen. Trotzdem wollte ich diese Methode versuchen, weil ich der festen Überzeugung war, dass auch Amelie zufriedener sein wird, wenn sie es selbst schafft, einzuschlafen. Im Buch Babyjahre von Remo H. Largo las ich zudem, dass Selbständigkeit für Kinder sehr befriedigend sein kann und man sie mit zu viel Liebe eben auch erdrücken kann. Das leuchtete mir ein. Also versuchte ich es.

Amelie schrie 33 Minuten lang. Das waren die längsten 33 Minuten meines Lebens. Und als 30 Minuten um waren, konnte ich nicht mehr. Ich wollte zu ihr gehen. Zum Glück ging ich erst noch zur Toilette, denn als ich dort war, hörte das Schreien auf. Einfach so. Amelie schlief... und schlief... und schlief. Zehn Stunden insgesamt. Es war toll. Ich musste sie nicht nachts um drei beruhigen, weil sie nicht mehr einschlafen konnte. Und als sie am Morgen erwachte, strahlte sie mich an, als wollte sie mir sagen: "Das habe ich alleine geschafft, Mama!". (Ok, das war vielleicht auch Einbildung). Aber sie war glücklich und erholt. Als ich sie am Abend darauf wieder ins Bettchen legte und aus dem Zimmer ging, hörte ich sie noch etwa 10 Minuten Zappeln und Brabbeln. Danach schlief sie ohne zu weinen ein. Und so war es seither immer. Ausnahmen bestätigen die Regel: Wenn es ihr schlecht geht, will sie in Mamis Arm einschlafen und das darf sie auch. Aber ansonsten geht sie jetzt immer alleine schlafen und schreit erst wieder Morgens, wenn sie Hunger hat.

Kommentare:

  1. Das einziges was deine Tochter gelernt hat, ist dass sie allein gelassen wird, dass ihre Angst nicht anerkannt wird, dass sie allein IST. Babys lernen mit 2-3 Jahren, dass sie ein eigenständiges Wesen sind, bis dahin denken sie, dass sie immer noch mit der Mutter verbunden sind. Jedes alleinlassen löst Todesängste in ihnen aus. Sie weinen, das ist ihre einzige Möglichkeit um sich mitzuteilen, schreien ist dann das höchste Maß der Dinge, wenn sie merken, dass die Mutter sie nicht hört. Irgendwann geben sie auf, resignieren... Die mütterliche Brust brauchen sie in der Nacht irgendwann nicht mehr zum Trinken, doch aber zum Schutz, Nähe, Wärme, Liebe...

    Aber vermutlich stillst du mit 6 Monaten auch ab um deinem Baby dann Kuhmilch, die Muttermilch der Kälber zu geben.

    Schade...

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  2. Ich finde diese Methode höchst fragwürdig. Du sagst, dass du wirklich Mühe hattest die 30 Min draussen zu bleiben... Warum wehrst du dich so gegen deinen Instinkt? Wenn du dich so zusammen reissen musst, kann es nicht richtig sein, dein Baby weinen zu lassen. Ausserdem haben die Babies kein Zeitgefühl. Sie weiss nicht, ob sie 30 Min oder einen ganzen Tag geweint hat.
    Entwicklungspsychologen sagen, dass bereits Babies einen überlebenswichtigen Mechanismus im Gehirn besitzen, nämlich das Verdrängen. Wenn es zuviel wird, verdrängen sie bestimmt Dinge und hören irgendwann auf zu weinen. Sie lernen nur, dass niemand da ist. Und dein Baby hat sich morgens sicher nicht gefreut, weil es allein in den Schlaf gefunden hat (ich glaube Babies können so schlicht noch nicht denken), sondern weil es sich gefreut hat, dass du kamst.
    Ich hab deinen Blog immer ganz gern verfolgt...bis jetzt!

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  3. Hallo

    Ich glaube nicht, dass Amelie einen schaden davon tragen wird ;-)
    Ist es denn erwiesen, dass irgendwelche Kinder einen Schaden davon getragen haben, nur weil sie durchschlafen? Wir haben unserem Mädchen von Anfang an auch (halb)wach ins Bett gelegt und sie hat das alleine einschlafen gelernt. Amelie konnte das ja schon, hat es aber wieder verlernt. Nun kann sie es wieder. Kinder fühlen sich nicht auf einmal ungeliebt, nur weil sie mal einen Abend 33 Minuten geschrien haben. Die Liebe erfahren sie den ganzen Tag, die ganze Zeit. Nun schläft sie wieder durch und ist ein zufriedenes Baby. Unsere Kleine (7 1/2 Monate) ist auch ein fröhliches und zufriedenes Baby. Sie schläft 10-11 Stunden in der Nacht. Sie weiss, dass wir da sind wenn etwas ist und wenn sie schreit, gehe ich auch zu ihr.

    Also mach dir keine Gedanken (lohnt sich eh nicht wegen solchen Kommentaren). So Gegner (schade, dass Anonym auch gleich persönlich werden muss) wird es immer geben und ich bin überzeugt, dass Amelie ein fröhliches, zufriedenes Baby ist, welches ganz bestimmt keinen Liebesmangel erleidet ;-)

    Liebe Grüsse, Themama

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  4. Noch mal schade, aber wird es leider immer geben. Der Mensch denkt eben immer er muss alles besser machen, als es die Natur eingerichtet hat.

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  5. Wenn man schon anderer Meinung ist, dann sollte man wenigstens den Mut haben und NICHT anonym schreiben. . . .
    Ich finde 30 Minuten auch arg lang, habe es aber ähnlich versucht bei meinem ersten Kind. Ich bin alle 5-10 Minuten rein und hab mein Baby beruhigt und hat auch innerhalb von 4-5 Tagen gelernt abends um 19 Uhr einzuschlafen. War überhaupt kein Problem mehr . . . . mach Dir KEINE Sorgen dass dein Baby Schaden davon getragen haben könnte . . . . das wird es nicht, denn Zuwendung und Liebe bekommt es sicher mehr als genug von Euch. . . . Liebe Grüße

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  6. Danke das du deine Erfahrungen mit uns teilst. LG, Katrin

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  7. Was nützt es hier irgendeinen Namen einzutippen, oder darauf rumzuhacken? Meine Meinung steht für viele Frauen, denen es ähnlich geht. Letztendlich sind wir Mütter alle darum bemüht, dass Beste für unsere Kinder zu tun. Leider beeinflusst unsere Gesellschaft uns soweit, dass wir unsere natürlichen mütterlichen (Ur-)instinkte verloren haben. Dennoch werden alle Kinder irgendwie groß werden. Ich könnte jedoch meine Kleine (5.Monate) niemals sich allein überlassen schreien lassen, ganz gleich wie viele Minuten das auch wären. Jedes Schreien ist eine Art "Hilferuf", es teilt sich mit, es hat ein Bedürfnis.

    Ihr seid anderer Meinung, dass ist okay, macht eure Erfahrungen, aber denkt nicht, dass es mit solchen Handlungen leichter wird, eher im Gegenteil.

    Anbei noch ein interessanter Link dazu:
    http://.youtube.com/watch?v=jo00Vy77Iac

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  8. Daran, dass Du deine kleine Maus über alles liebst, zweifle ich keine Sekunde lang! Was diese Schlafmethode angeht, muss ich ehrlich gestehen, auch ich finde sie fragwürdig.

    Babys können uns nur durch Weinen und Schreien mitteilen, dass sie was brauchen. Auch ich als Erwachsener schlafe am liebsten auf der Schulter meines Mannes ein, in Geborgenheit und Zärtlichkeit. Dass so ein kleiner Mensch, der noch voll auf uns angewiesen ist, gerade dabei ist, sich und die Welt zu entdecken sowie trotzdem dabei bei der Mutter/dem Vater einschlafen möchte, kann ich also nachvollziehen.

    Ich habe darüber mal einen Beitrag geschrieben: Wie wir uns in den Schlaf lachen. Bei uns läuft das sehr friedlich ab, unser Schlafritual, ebenso ruhig sind auch die Nächte (natürlich gibt es Ausnahmen, so wie bei jedem Menschen). Unsere Kleine schlummert zwischen uns im Familienbett (natürlich nicht Jedermanns Sache, ist schon klar) und wir alle genießen die Nähe. Du hast schon recht, selbstständige Kinder sind glücklichere Kinder. Doch ist das „Alleine Einschlafen“ eine Art "Loslassen müssen" und für das finde ich Babys noch viel zu klein! Die Selbstständigkeit fängt nach meiner Meinung nach erst im Krabbelalter an, wenn sie doch etwas unabhängiger von uns werden (dann können sie sich freiwillig von uns wegbewegen, selbst aus dem Glas trinken, den Löffel vielleicht alleine halten oder die Zähne „putzen“). Aber Selbstständigkeit soll den Kindern Freude bereiten, wenn sie aber weinen, also sich dagegen wehren, sind sie noch nicht soweit.

    Natürlich kennst Du Deine Tochter am besten und freilich machst Du es so, wie Du es für richtig hältst. Doch was diese Schlafmethode angeht, bin ich eben sehr skeptisch.

    Danke für das tolle Foto, habe es sofort auf meinen Blog hochgeladen und mit deinem Blog verlinkt! ;)

    Liebe Grüße,
    Anna

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