Sonntag, 2. Februar 2014

Der innere Kampf

Keine Frage, ich liebe meinen Job. Ich bin stolz darauf, neben Mutter und Hausfrau auch noch Journalistin zu sein. Ganz besonders, wenn von mir Artikel wie dieser hier auf 20 Minuten oder dieser auf Tagesanzeiger erscheinen. Ja, das sind die guten Tage. Aber es gibt auch die anderen Tage. Jene, an denen ich einen inneren Kampf mit mir selbst führe. Tage, an denen mich das schlechte Gewissen völlig unerwartet überkommt. Wie ein Schlag in den Magen, dem ich nicht ausweichen kann. Ich frage mich dann, was mir das Recht gibt, meine kleine Tochter in eine Krippe zu "stecken". Sie ist doch noch so jung und wehrlos. Letztendlich wissen wir nicht, ob es ihr gefällt in der Tagesstätte. Sie kann noch nicht reden. Sie kann mir nicht sagen: "Ist schon ok Mami, es geht mir gut ohne dich."

Wir versuchen das zu interpretieren, deuten ihr Verhalten und ihre Mimik und sagen uns immer wieder: Sie geht gerne hin. Und an den meisten Tagen glaube ich das auch. Denn sie spielt gerne mit den anderen Kindern, liebt diese eine Betreuerin abgöttisch und kommt immer sehr aufgestellt nach Hause. Aber dann gibt es Momente, da kommen mir mitten im Büro fast die Tränen, weil ich keine Ahnung habe, was Amelie gerade macht. Was ist, wenn sie traurig in einer Ecke sitzt, weil sie ihr Mami vermisst? Diese Vorstellung bricht mir immer wieder aufs neue das Herz. Und dann kommt jeweils die ultimative Frage: Was gibt mir eigentlich das Recht, jetzt auf meine Karriere zu setzen? In solchen Situationen fällt es mir schwer, darauf eine plausible Antwort zu finden. Dabei wäre es ganz einfach: Weil ich über kurz oder lang frustriert wäre, wenn ich nicht Schreiben könnte. Weil mich die Arbeit zu einer besseren Mutter macht. Weil ich die Zeit mit Amelie nach einem Tag im Büro viel mehr schätze.

Kennt ihr diesen inneren Kampf auch, liebe Teilzeit arbeitende Mütter? Und gibt es einen Weg, ihn zu gewinnen?

Kommentare:

  1. Da hab ich doch den Artikel auf 20min schon gelesen und gar nicht gemerkt, dass der von dir ist. Ich sollte anfangen den Autoren Namen mehr Beachtung zu schenken. Zu dem Kampf kann ich aktuell nichts beitragen, weil ich ja aktuell 100% Hausfrau & Mutter bin. Aber eine gute Freundin von mir hat mir auch schon von diesem inneren Kampf erzählt, ihr Kleiner geht 3 Tage die Woche in die Kinderkrippe. Sie liebt ihren Job genau wie du und ich denke, wenn euch die Arbeit glücklich macht und ihr auch somit bessere Mütter seid, so ist das auch gut so. Euren Kids geht es ja gut in den KiTas und wenn es nicht so wäre, dann würde ihr sie auch nicht dahin gehen lassen.
    In ein paar Jahren kann ich dann vielleicht auch mitreden, wir werden sehen.

    Liebe Grüsse, Themama

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  2. Ich kenne diese gemischten Gefühle gut. Allerdings sind sie bei mir nicht dadurch bedingt, dass ich das Gefühl habe, dass es unserer Tochter doch besser gehen würde zu Hause bzw. dass wir egoistisch handeln, wenn wir sie in die Kita geben. Wir sind sehr sehr glücklich, eine so fantastische Kita gefunden zu haben. Vielmehr macht mich aber gelegentlich der Gedanke traurig, dass wir viele Momente, welche nie mehr zurückkehren, "verpassen". Die Zeit ist so wertvoll, und wenn ich gelegentlich etwas unzufrieden bin mit meinem Job (nervige Sitzung etc.), dann frage ich mich schon, ob ich die Prioritäten richtig setze. Mein Engagement im Beruf ist für mich gleichwohl eine grosse Bereicherung und macht mich schlussendlich zu einer zufriedeneren Mutter. Was ich bei solchen Diskussionen oft vermisse, ist der Aspekt des Einkommens. Gerade bei Familien, die (natürlich mit Einschränkungen) theoretisch mit einem Einkommen auskommen könnten, macht es oft den Anschein, eine Mutter gehe nur arbeiten, um sich zufriedener / ausgeglichener zu fühlen, aus Leidenschaft für den Beruf etc. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass es für die Partnerschaft wichtig ist, dass beide zum Einkommen beitragen. Die Verantwortung fürs Familienbudget wird geteilt und beide haben Entscheidungsmöglichkeiten, wie und wofür das Geld ausgegeben wird.
    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ehrliche Worte und Gedanken von Müttern für Mütter sind enorm wichtig. Es ist nicht alles immer nur wunderschön.

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  3. Ja das kenne ich auch, das Gefühl, wichtige Momente mit meiner Tochter zu verpassen. Gerade jetzt wo sie so jung ist, geht alles so schnell. Ich komme manchmal kaum nach mit schauen, so schnell wird sie gross. Und die Wochen gehen vorbei wie im Flug, wenn man arbeitet. Trotzdem gebe ich dir Recht: Wieso sollte die Mutter nicht genauso verpflichtet sein, zum Familieneinkommen beizusteuern, wie der Vater. Schliesslich machen wir es uns leicht, wenn die ganze Verantwortung auf den Männern lastet. Aber natürlich geht das nur, wenn der Vater dem entsprechend zu Hause mithilft.

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  4. Da gebe ich dir Recht, die Papis sind ebenfalls gefragt :-)
    Ich habe dir noch ein weiteres Argument, den inneren Kampf zu gewinnen: Seit ich wieder arbeite, habe ich das Gefühl, ein interessierterer Mensch zu sein. Vielleicht hat das mit den Hormonen in den ersten Monaten nach der Geburt zu tun, welche sich wieder normalisiert haben. Aber meine Vermutung ist schon, dass mir mein Beruf hilft, meine Fühler weiter auszustrecken. Bei der Arbeit bin ich gezwungen, mich immer wieder in komplexe Themen oder Sachverhalte hineindenken zu müssen, mich mit etwas auseinanderzusetzen. Das hält nicht nur meine Hirnzellen in Schwung, sondern animiert mich, auch privat eher mal eine interessante TV-Sendung oder einen Zeitungsbericht zu lesen. So erfahre ich wieder mehr über aktuelle gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Themen.
    Und da wären wir wieder beim Papi: Wenn ich mich neben Baby/Haushalt/Hobby-Themen noch für viele weitere Dinge interessiere, bin ich für meinen Mann vielleicht auch die interessantere (Gesprächs-)Partnerin :-)?

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  5. Oh Mann, ich hatte so einen langen Kommentar geschrieben, hat offenbar nicht funktioniert :(

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  6. Ohja, das kenne ich nun schon seit 6 Jahren- und nein- es wird nicht besser, aber man gewoehnt sich daran.
    Meine drei Kinder sind alle mit 5 Monaten 5- 5,5 Tage in der Woche in die KiTa. Sie sind nun 6.5, 4 und 1.5 Jahre alt und es geht allen blendend. Ich moechte aber mehr Zeit fuer sie, vermisse all die kleinen, alltaeglichen Dinge... Leider geht es aus vorallem finanziellen Gruenden nicht wirklich anders (Ich wohne nicht in der Schweiz). Dafuer geniesse ich die spaeten Nachmittage (ab 16:00 Uhr) und Wochenende um so mehr. Und sind wir einmal in den Ferien, vermissen die Kinder ziemlich schnell ihre Freunde und die grosse Vielseitigkeit an Aktivitaeten, die sie gweoehnt sind. Haette ich die Whl, wuerde ich weniger ausser Haus arbeiten- aber nicht aufhoeren- die Arbeit ausser Haus gibt mir auch einen Ausgleich, Inspiration etc.

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