Dienstag, 25. März 2014

Wieso Facebook die Nachbarn nicht ersetzt



Ich bin ein grosser Fan von Facebook. Ich habe rund 250 Freunde. Einen Bruchteil davon sehe ich regelmässig, mit allen anderen kommuniziere ich lediglich virtuell. Als ich noch kinderlos war, war das mehr als genug. Wer hat neben einem Vollzeitjob schon Zeit für mehr als eine Handvoll Freunde. Doch als ich ein Baby bekam, änderte sich das. Denn ich war die erste in meinem Freundeskreis, die eine Familie gründete. Und während alle anderen weiterhin den Tag im Büro verbrachten und sich abends auf ein Bier trafen, konnte ich das plötzlich nicht mehr. Dafür sass ich tagsüber mit einem sabbernden Baby zu Hause und sehnte mich nach einem Gespräch unter Erwachsenen. 

Eine Lösung musste her. Ich konsultierte also meine grosse Auswahl an Facebook-Freunden – unter denen mussten sich doch ein oder zwei Mamis finden lassen. Das war natürlich auch so. Doch leider wohnten diese nicht gleich um die Ecke und es war jedes Mal eine logistische Herausforderung, sich auf einen Kaffee zu treffen. Die Verabredungen blieben deshalb selten. Und ich sass weiterhin an vielen Tagen einsam in meiner Wohnung. Facebook konnte also nicht helfen. 

Es gab noch eine weitere Möglichkeit, doch die kostete mich um ein Vielfaches mehr an Überwindung, als alte Freunde auf Facebook zu kontaktieren: Die Nachbarsfamilien ansprechen. Bevor ich ein Baby hatte, versuchte ich sie immer so freundlich wie möglich zu ignorieren. Ich hatte keine Zeit für Smalltalk im Treppenhaus. Niemals. Man ist eben zu gestresst. 

Aber jetzt… Es wäre so einfach: Eine Tür weiter gehen, und ich könnte mit jemandem einen Kaffee trinken und ein vernünftiges Gespräch führen, während meine Tochter von einem Kleinkind abgelenkt wird. Ich nahm also all meinen Mut zusammen, backte ein paar Muffins und ging nach nebenan. Und siehe da: Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Inzwischen freue ich mich jedes Mal, wenn ich im Gang auf die Nachbarn treffe – also fast täglich. Denn meist ergibt sich daraus ein spannendes Gespräch inklusive Kaffee.



Text erschienen auf Famigros.ch.

Kommentare:

  1. Es geht nicht über liebe Nachbarn gell! Bei uns im Quartier sitzen wir bei schönem Wetter draussen auf dem Spielplatz, die Kids spielen, wir quatschen. Ab und zu verabreden wir uns zum Mami-Ausgang, Spielplatz-Grillade, Stadtspaziergang - einfach super!

    http://schweizer-fashionmama.blogspot.ch/

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  2. *Lach* Erinnert mich sehr an mich! Ich habe jahrelang total anonym in meinem Block gewohnt. Hab' die Leute gegrüsst und gut. Und die wunderten sich wahrscheinlich über die wechselnden Männerbekanntschaften *lol* (Das war ein kleiner Scherz, nur ein kleiner... :D) Und dann hatte ich Kinder... und ich lernte plötzlich eine Familie nach der anderen kennen. Drei Frauen bekamen ziemlich parallel zu mir das 1./1./2. Kind. Und es hatten fast alle Kinder! Witzig. Und die Kleinen? Spielten bis zuletzt sehr oft zusammen draussen oder gingen in den Wohnungen ein und aus... Es war wie eine grosse Multi-Kulti-Kommune und ich habe nicht nur das sehr vermisst nach unserem Umzug ins eigene Haus sondern allem voran auch die Möglichkeit, öfter mal das Kind in Obhut der anderen zu lassen während man kochte, die Kleine zu Bett brachte oder oder oder... Seltsamerweise sind im Jahr unseres Umzugs bereits drei Familien vor uns ausgezogen. Obwohl es mir hier sehr gefällt, vermisse ich dieses lässige Hin- und her noch immer und die Kinder sicher auch. Immerhin wohnt gegenüber auch eine Familie mit 2 Kindern, da kommt man auch ab und zu zusammen, im Sommer dann eh wieder mehr...

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