Samstag, 12. September 2015

Was ist bloss aus mir geworden?


Ein Kaffee am Morgen hilft. Aber Zähneputzen muss man immernoch selbst.
(Auf dem Weg zur Arbeit.)
Kennen Sie diese eine Sekunde am Morgen, kurz bevor man richtig wach ist, aber eben auch nicht mehr richtig schläft? Dieser kurze Moment, in dem man sich jeden Tag neu orientieren muss: Wer bin ich, wo bin ich, was mache ich hier?
Nun, in letzter Zeit passiert es mir des Öfteren, dass mich die Antworten auf diese Fragen überraschen. Ich kann es jeweils kaum glauben, dass diese Person, die hier im Bett liegt - ich - tatsächlich schon 32 Jahre alt ist. Verheiratet. Mit Kindern. Und einem Haus. War ich nicht erst gerade noch 25 und Single und verfolgte eine ach so wichtige Karriere? Wie genau bin ich hier gelandet und was ist mit mir passiert?
Ich sehe alt aus. Und ich bin müde. Unter meinem T-Shirt versteckt sich ein leicht schwabbeliger Bauch. Die Haare sollten mal wieder gewaschen werden. Und die Beine hätten eine Rasur nötig. Kurz gesagt: Ich bin eine einzige Enttäuschung. Mein früheres Ich wäre in diesem Zustand nicht einmal an den Frühstückstisch gesessen. Mein jetziges Ich verlässt so sogar das Haus - und nicht etwa nur, um die Zeitung aus dem Briefkasten zu holen.
Und dann schweifen meine Gedanken ab. Zu den zwei Kindern, die im Raum nebenan liegen. Zu diesen zwei wundersamen Geschöpfen, die ich geschaffen habe (nun gut, mit etwas Hilfe). Und sofort ist alles andere vergessen. Mir wird klar, was mit mir passiert ist: Ich bin Mama geworden. Ich habe gelernt, wie es ist, sich selbst für jemand Anderen aufzugeben. Zumindest ein bisschen. Und mit jedem weiteren Kind ein bisschen mehr. Kennen Sie das?

Zuerst erschienen auf famigros.ch.

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