Donnerstag, 19. November 2015

Mama mag Kinder nicht

Dieses Kind mag ich sehr. Andere etwas weniger. 

Ich liebe meine Kinder. Die der anderen - nicht so sehr. Ein Kinderfreund war ich noch nie. Als Teenager habe ich zwar ab und zu die Nachbarskinder gehütet, doch das tat ich nur des Geldes wegen. Kinder sind laut, klebrig und aufdringlich. Zudem glauben sie, der Mittelpunkt der Welt zu sein. Das ist ganz schön anstrengend.

Erst als ich vor drei Jahren Mutter wurde, verstand ich zum ersten Mal, wieso der Anblick von kleinen Füsschen rührend sein kann. Wieso ein so kleines Wesen Erwachsene dazu bringen kann, Babylaute und Quietschtöne von sich zu geben, als wären sie in der Entwicklung mehrere Jahrzehnte zurückgefallen. Denn zum ersten Mal erging es mir genauso. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich war vernarrt in dieses kleine Wesen, das sabberte und rülpste und weinte und schrie und regelmässig den gesamten Mageninhalt in hohem Bogen wieder von sich gab.


Das wars also, dachte ich. Ich bin geläutert. Auch ich liebe Kinder. Ich wusste es bisher nur nicht. Ab sofort scheute ich mich nicht mehr davor, mit anderen Kindern in Kontakt zu treten. Ich bot meinen Freundinnen sogar an, auf ihre Babys aufzupassen, sollten sie mal etwas Zeit für sich benötigen. Das lief auch ziemlich gut - bis ich die erste Windel eines dieser Kinder wechseln musste. Ich habe es meiner Willenskraft zu verdanken, dass ich mich nicht auf der Stelle übergab. Dieser kleine Ekelzwerg hatte es sich doch tatsächlich erlaubt, während meiner Aufsicht sein grosses Geschäft zu erledigen. Es war offensichtlich: Er wollte mich provozieren. Ich sah es in seinen Augen. Da flackerte etwas Böses auf. Dieser Neuankömmling wollte nicht mein Freund sein.

Meine neu errungene Liebe für Kinder endete damit so schnell, wie sie begonnen hatte. War der Verlauf dieser Geschichte doch etwas enttäuschend, so kann ich ihr trotz allem etwas Gutes abgewinnen. Ich rufe sie mir immer wieder in Erinnerung, wenn die Liebe für meine eigenen Kinder einmal wieder überdimensional gross wird. Sozusagen als Warnruf, der mir klar gemacht hat: Auch die Kacka deines Kindes stinkt. Du riechst es nur nicht.


Diese Kolumne ist auch auf Famigros.ch erschienen. 

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