Sonntag, 21. Februar 2016

Über die flüchtigkeit des Glücks



Ich sitze auf dem Sofa, als meine Tochter sich vor mir zu drehen beginnt. Sie dreht sich und dreht sich und ruft dabei: «Mama, ich tanze bis zum Umfallen!» Ich sehe ihr zu, wie sie strahlt und sich dreht und empfinde ein tiefes Glücksgefühl. Dann fällt sie hin. Und während sie danach strahlend auf dem Boden liegt und darauf wartet, dass die Welt aufhört  zu drehen, realisiere ich, wie flüchtig diese Momente des Glücks mit Kleinkindern sind. Kaum da, sind sie meist schon wieder verflogen, bevor man es realisiert. Dabei möchte ich sie festhalten, um sie zu konservieren und nie mehr zu vergessen.
Den Duft meiner Kinder beispielsweise, als sie noch ganz klein waren, möchte ich für immer in Erinnerung behalten. Die Haut meines Sohnes riecht nach einer Mischung aus frischem Brot, das gerade aus dem Ofen gekommen ist und Mandelöl. Irgendwann wird er nicht mehr danach riechen. Nur ganz oben auf dem Kopf, dort wo früher diese weiche Stelle war, dort riecht meine dreijährige Tochter noch immer danach. Es ist ein einmaliger Geruch. Ihr Geruch. Manchmal schleiche ich mich nachts zu ihr ans Bett, knie mich zu ihr nieder und nehme einen tiefen Atemzug davon.
Oder ihr Humor. Kinder haben den skurrilsten Humor. Vor Kurzem sassen wir zusammen am Esstisch und lachten Tränen. Warum, wird sich mir wohl nie erschliessen. Ich lachte einfach mit. Denn dieses Kinderlachen, dieses laute, herzhafte, völlig hemmungslose Kinderlachen, es ist so ansteckend. In solchen Momenten würde ich die Zeit am liebsten anhalten. Doch das geht nicht. Denn die Zeit, sie ist genauso flüchtig wie das Glück.

Dieser Text ist auch auf Famigros.ch erschienen .

1 Kommentar:

  1. Danke für diesen schönen Text. Genau so geht es mir auch oft. Aber zum Glück gibt es immer wieder solche Momente, wenn wir aufmerksam sind und sie wahrnehmen.

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