Sonntag, 17. Juli 2016

Brief an eine frisch gebackene Mutter

Liebe Mama
Jetzt ist es da, dein Baby. Und alles ist anders. Deine Liebe für dieses kleine Wesen übermannt dich noch immer täglich. Genauso wie das Chaos - im Haus und im Herzen. So hattest du dir das nicht vorgestellt. Fast täglich fühlst du dich überfordert, würdest am liebsten alles hinschmeissen und schreien: «Wie schafft ihr anderen Mütter das? Was mache ich falsch?»

Ich schreibe dir diesen Brief, um dir zu versichern: Nichts, du machst nichts falsch. Uns anderen Mamis gings genauso. Wir fühlten uns genauso überfordert, während unser Baby in unseren Armen nicht zu schreien aufhören wollte. Auch wir weinten irgendwann einfach mit. Und fragten uns: Schaffe ich das?

Aber ich möchte dir etwas verraten: Diese ersten Wochen, sie gehen vorbei. Dieser übernächtigte, vernebelte Zustand, in dem man das Gefühl hat, in einem Sumpf aus Babymilch und Babywindeln zu versinken, er geht vorüber. Aus dem Nachhinein gesehen sogar ziemlich schnell. Doch wenn man selbst mitten drin steckt, kommt diese Phase einem wie eine Ewigkeit vor. Wie sehr habe ich den Satz «Geniess es, es geht so schnell vorbei!» früher gehasst. Und jetzt bin ich selbst eine von denen, die ihn sagt. Weil es nun mal so ist.

Und trotzdem möchte ich dir sagen: Ich verstehe dich, wenn du es gerade nicht geniessen kannst. Denn die dunklen Nächte, in denen ein Babyschrei mich aus dem Tiefschlaf riss und ich das Gefühl hatte, unter Wasser von einer Kugel getroffen zu werden, die sich durch meinen gesamten Körper bohrt, sie hallen noch nach. Ich erinnere mich nur allzu gut daran. Glaube nicht, dass du damit alleine bist. Wir sind alle im selben Boot. Und du schaffst das. Einen Tag nach dem anderen. Und ehe du dich versiehst, ist aus deinem Baby ein Kleinkind geworden.

Diese Kolumne erschien auch auf famigros.ch.